Entsprechend erläuterte Pfarrer Henn zunächst philosophische Argumente, die seit der Antike zu diesem Thema zusammengetragen wurden. Seine besondere Aufmerksamkeit fanden dabei die 5 Wege des Thomas von Aquin. Diese basieren auf der Philosophie des Aristoteles und haben Vorläufer in der arabischen Philosophie, über die im Mittelalter die Texte des Aristoteles in den Westen gelangten. Von diesen fünf Wegen ist ein auch heute gut nachvollziehbarer der, der sich mit zufälliger und notwendiger Existenz beschäftigt: Die Dinge in unserer Welt, wir eingeschlossen, existieren zufällig. Sie könnten auch nicht sein. Weil sie aber existieren, muss es auch etwas geben, das notwendig existiert und sie verursacht hat. Das nennen wir Gott.
Nun sind natürlich die fünf Wege des Thomas ebenso wie alle anderen "Gottesbeweise" mehr oder weniger erfolgreich kritisiert worden. Das führt uns zu der Erkenntnis, dass am Anfang eines "Gottesbeweises" der Glaube stehen muss. Der "Beweis" festigt den Glauben, bekehrt den Ungläubigen aber nicht.
Daher lohnt sich auch der Blick in die Natur. Ein Urknall vor 13,8 Mrd. Jahren und danach eine Entwicklung des Universums, die vor etwa 5,4 Mrd. Jahren unser Sonnensystem mit der Erde hervorbrachte. Im weiteren Lauf der Entwicklung entstand Leben und schließlich der Mensch. Diese Ereignisse sind so unwahrscheinlich, dass man es kaum für plausibel halten kann, dass sich das alles rein zufällig ergeben hat. Auch der Mensch selbst ist mit seinem Intellekt und seinem freien Willen kaum als Zufallsprodukt anzusehen.
Aber nicht nur der Verstand zeichnet den Menschen aus. Unabhängig von Kultur und Religion haben Menschen die Fähigkeit zu mystischen Erlebnissen, die sie als bewusstseinserweiternd und als Quelle tiefen Glücks beschreiben. Auch Nahtoderfahrungen gehören zu diesen Erlebnissen, die man wegen ihrer Klarheit und Schönheit kaum als Reaktionen eines sterbenden Hirns abqualifizieren sollte. Allerdings zeigen Beispiele wie Feuerbach, Nietzsche oder Marx, dass der Verstand auch gebraucht werden kann, um eine Welt ohne Gott zu entwerfen. Ist die erstrebenswert? Die moralischen Konsequenzen waren für Nietzsche sehr klar.
Wunder schließlich werden als Eingriffe Gottes verstanden, durch die er den Ablauf nach Naturgesetzen außer Kraft setzt. Als Beispiel wurde das Sonnenwunder von Fatima angeführt, das dank seiner Ankündigung im Voraus von einer großen Menschenmenge beobachtet wurde. Heilungswunder machen einen großen Teil der biblischen Erzählungen über das Leben Jesu aus. Menschen mit schwerwiegenden Krankheiten oder Behinderungen suchen und finden Hilfe bei Jesus. Auch heute noch unternehmen Menschen Wallfahrten, um Trost und Heilung zu finden. 7000 in Lourdes anerkannte Wunderheilungen zeugen von Erhörung. Da aber in Rom die Kriterien für die Anerkennung eines Wunder deutlich strenger sind, sind nur 70 davon als Wunderheilungen anerkannt.
Da es so viele Fragen und Diskussionsbeiträge gab, dass eine sofortige Beantwortung den zeitlichen Rahmen gesprengt hätte, wurde die Diskussion auf den Schluss konzentriert. Hier zeigte sich nun, dass es erfreulicherweise keine fundamentale Kritik gab. Vielmehr suchte der Glaube nach Erkenntnis. Positionen des klassischen Theismus wurden hinterfragt, da sie nur schwer mit den aktuellen naturwissenschaftlichen Ergebnissen in Einklang zu bringen sind. Wie und wann kommt denn beispielsweise die unsterbliche Seele in den Menschen, wenn er sich durch Evolution aus Vormenschen entwickelt hat?
Es gibt also noch viele Fragen und wir freuen uns schon auf den nächsten Vortrag.